Dudelsackabbildungen aus √Ėsterreich


Die vorliegende Sammlung kann einen kleinen Einblick in die Geschichte des Dudelsacks in √Ėsterreichs gew√§hren. Sie soll nat√ľrlich st√§ndig erweitert und erg√§nzt werden. Hinweise √ľber weitere Abbildungen oder sogar Zusendungen werden deshalb dankbar entgegengenommen.
Es sei noch erw√§hnt, dass in diesem Artikel die Bezeichnungen Sackpfeife und Dudelsack als √úberbegriff f√ľr die einzelnen Arten verwendet werden.
Je intensiver man sich mit Dudelsackabbildungen befasst, desto wichtiger wird der Vergleich mit Bildern aus benachbarten Regionen und dar√ľber hinaus. Wie weit dabei ein abgebildeter Dudelsack in seiner Darstellung instrumentenbautechnisch ernst zu nehmen ist, muss in jedem einzelnen Fall √ľberlegt werden. Aber auch bei detailgetreu gezeichneten Instrumenten ist Vorsicht angebracht. Oft geh√∂ren Bilder einem bestimmten Genre (Anbetung der Hirten, Tanz im Freien...) an. Vorlagen mit beliebten Motiven wurden in leicht abgewandelter Form in vielen Regionen Europas verwendet. Aus einer Abbildung auf einen regionalen Sackpfeifentyp zu schlie√üen ist somit meist problematisch.
Vorsicht ist auch bei Zuordnungen zu einem bestimmten Dudelsacktyp angebracht. Oft werden abgebildete Instrumente sehr rasch einem bekannten - z. B. von Praetorius beschriebenen - Sackpfeifentyp zugeordnet, wodurch gleichzeitig auch instrumentenbauliche Details festgelegt werden, die oft schwer oder gar nicht erkennbar sind.

Die Abbildungen des 15. Jh. zeigen durchwegs Instrumente mit einem Bordun. Die L√§nge und die Beschaffenheit der einzelnen Pfeifen sind dabei sehr unterschiedlich. Das Instrument vom "B√§ren aus St. Lamprecht" zeigt eine gebogene Spielpfeife. M√∂glicherweise handelt es sich, ebenso wie bei der Bordunpfeife um Klangverst√§rker aus Tierhorn. Eine sehr √§hnliche Darstellung ist auch in einer liturgischen Handschrift aus Brixen in S√ľdtirol zu sehen.

Die Bilder des 16. Jh. zeigen anfangs noch die einbordunige Sack- pfeife. Ab der Mitte des Jahrhunderts sind Instrumente mit zwei Bordunpfeifen zu sehen. Bei einigen Dudels√§cken sind √Ąhnlichkeiten mit den Abbildungen von Urs Graf (1511), Martin Agricola (1529) und der "Schaper Pfeiff" von Michael Praetorius (1618) deutlich erkennbar (siehe Sch√§ferpfeife). Auffallend sind die kleinen und zierlichen Bordunpfeifen auf der Abbildung von Alexander Maisfelder. M√∂glicherweise handelt es sich hier um eine Kleinsackpfeife. Die vornehme Kleidung der Musizierenden l√§sst auf ein b√ľrgerliches oder sogar adeliges Umfeld schlie√üen.

Die Abbildungen des 17. Jh. zeigen gr√∂√üere Vielfalt. Wieder sind √Ąhnlichkeiten zum "Sch√§ferpfeifentyp" (vgl. Graf, Agricola und die Schaper-Pfeiff von Praetorius) erkennbar. Erw√§hnenswert ist die Miniatursackpfeife aus Schloss Ambras in Tirol, die wohl dem "H√ľmmelchentyp" (siehe H√ľmmelchen) zuzuordnen ist. Das Bild "Musizierende Katzen" zeigt einmal mehr den alten einbordunigen Sackpfeifentyp, der sicher auch im 17. Jh. im Gebrauch war. Das Bild "Tanzende Paare" zeigt eine kleine zierliche Sackpfeife. M√∂glicherweise hat der K√ľnstler das Instrument aus Platzmangel so klein gemalt. Es kann aber auch sein, dass wir hier wieder eine Kleinsackpfeife vor uns haben. Gegen Ende des Jahrhunderts taucht schlie√ülich ein Bock auf (siehe Bock). Da dieses Fresko im Schloss S√∂ding jedoch nach einer beliebten Vorlage geschaffen wurde, kann man es nicht unbedingt als Beweis f√ľr die Pr√§senz dieses Dudelsacktyps in dieser Region heranziehen. Interessant ist, dass im selben Raum im Abstand von einigen Metern ein Spieler mit einem "Sch√§ferpfeifentyp" zu sehen ist.

Das 18. Jh. zeigt weitere Dudelsackarten. Zuerst ist der Bock zu erw√§hnen, der im Museum Joanneum in Graz aufbewahrt wird. Die Bilder im "Johann-Joseph-Fux-Buch" zeigen zweimal eine Musette de cour, einen Dudelsacktyp, der gerade in der ersten H√§lfte des 18. Jh. seine Bl√ľtezeit erlebte. Auch in diesem Jahrhundert dominiert der Sch√§ferpfeifentyp. Auf einer Bauerntruhe und bei einer Schnitzfigur sind auch wieder einbordunige Sackpfeifen zu sehen. Der Bock ist durch eine Figurine der √∂sterreichisch-ungarischen Grenzinfanterie und durch ein Bild auf einem Krug vertreten. Erw√§hnenswert ist die Abbildung auf einem Salzburger Monatskalender. Der Dudelsackspieler musiziert in einer Stube. Das Instrument wirkt nicht sehr gro√ü. Es k√∂nnte sich hier wieder um eine Kleinsackpfeife handeln. Ein interessantes Beispiel einer dreibordunigen Sackpfeife ist auf einem Hochzeitsbett aus Ober√∂sterreich um 1780/1790 zu sehen. In diesem Zusammenhang sei darauf hingewiesen, dass in Tschechien eine vierstimmige Sackpfeife mit der Bezeichnung "Moldanky" gerade im 18. Jahrhundert h√§ufig erw√§hnt wurde.

Im 19. Jahrhundert wird die Zahl der Abbildungen geringer. Sehr realistisch ist der Bock auf dem Stich von H. Erhard abgebildet. Die Abbildungen auf den Gmundner Keramikkr√ľgen werden dagegen immer ungenauer. Auch die Krippenfiguren aus Haus im Ennstal zeigen sehr ungenau gestaltete Instrumente. Eine genaue Untersuchung zum Bock, der in den 1980er Jahren in der N√§he von Vorau in der Oststeiermark "entdeckt" wurde, steht noch aus. Mit gro√üer Wahrscheinlichkeit ist er jedoch dem 19. Jh. zuzuordnen.

F√ľr das 20. Jh. ist der Dudelsackspieler von Karl Truppe zu erw√§hnen. Das Instrument erinnert an eine italienische Zampogna und an die Tradition der italienischen Stra√üenmusikanten des 19. und 20. Jh.

Zusammenfassung

Aus den vorliegenden Abbildungen ergibt sich f√ľr das Gebiet des heutigen √Ėsterreich ein (nat√ľrlich nur unvollkommenes) Bild: Bis zu Beginn des 16. Jh. dominiert die einbordunige Sackpfeife. Ab Mitte des 16. Jahrhundert ist die zweibordunige Sackpfeife h√§ufiger zu sehen. Eine Zuordnung zum "Sch√§ferpfeifentyp" nach Praetorius kann in einigen F√§llen gewagt werden. Ab der zweiten H√§lfte des 16. Jh. wurden Instrumente abgebildet, die Merkmale von Kleinsackpfeifen aufweisen.
Ab 1700 taucht auf den österreichischen Abbildungen der Bock auf.
Im 19. Jahrhundert werden die Abbildungen spärlicher. Bock, Schäferpfeife und Kleinsackpfeifen verschwinden allmählich aus dem österreichischen Musikleben.